“Ein Wilders kommt selten allein” – HR2 widmet sich fast 60 Minuten dem “Rechtsruck in Europa”
Ein geradezu typisches Beispiel für die politische Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien (selbstgewähltes Motto der „unabhängigen“ Medienmenschen: „Dank Ihrer Gebühren“ – man muss es als Zynismus begreifen) bot das Staatsradio HR2 („Der Tag“) am zurückliegenden Freitag, den 05. März.
In einem medialen Rundumschlag widmete sich der Sender dem europäischen „Rechtspopulismus“. Eine zusammenhangslose Zitatencollage (Stimmen von Wilders und aus der FPÖ) stimmte den Hörer auf das Thema ein – sie sollte wohl „bedrohlich“ klingen. Nach einigen harten Fakten, gab dann die „Journalistin“ Sylvie Ahrens, die erwünschte politische Linie vor, sie erklärte in eigenwillig-gutmenschlicher Art warum Wilders Erfolg hat, so jüngst bei der Kommunalwahl im niederländischen Almere (hier wurde Wilders PVV auf Anhieb stärkste Partei)– Ansichten aus dem medialen Elfenbeinturm.
Sie verraten mehr über den Zustand der Medien und ihrer vom Volk alimentierten Macher als über das aufbereitete Thema. Die Kluft, die zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung, also zwischen etablierter Politik und Medien – ohnehin nur noch mit Mühe auseinander zu halten – und dem Steuerzahler herrscht, ist mittlerweile riesig, kaum noch zu überbrücken. Sie zeigten zudem in aller Deutlichkeit, wie man sich in den Funkhäusern den „gemeinen europäischen Rechtswähler“ vorstellt, etwas Verachtung durfte da ruhig mitschwingen.
Die Niederländer, die in Almere wohnten, so Frau Ahrens eloquent ausführend, seien schließlich nicht von tatsächlichen Problemen mit der vielköpfigen marokkanischen Nachbarschaft geplagt (diese seien offenkundige Halluzinationen), sondern fürchteten sich lediglich um den Job, „Abstiegsängste“ führten daher zur Suche nach „Sündenböcken“, hier in Gestalt der friedlich-produktiven marokkanischen Gemeinde. Also: wäre die „verdammte Jobangst“ nicht so ausgeprägt, hätte man sich ganz sicher mit den überbordenden Transferleistungen an die marokkanischen Einwanderer arrangiert und der „rechte Verführer“ Geert Wilders sei chancenlos geblieben – aha. Wilders, der offenkundig zum geschätzten Feindbild des Establishments geworden ist, habe sowieso nur das Erbe Pim Fortuyns angetreten und setze die „Tabubrüche“ (Tabu bedeutete in diesem Zusammenhang: eine politisch nicht korrekte bzw. eine von Medien und Politik unerwünschte Meinungsäußerung) nun ungehindert fort. Schon dass Ahrens wenigstens eingestand, dass Fortuyn ermordet wurde, mag vor dem Hintergrund des politischen Drehbuchs der Sendung eigentlich überraschen. Dass aber Pim Fortuyn, wie nun Wilders, ein Leben unter Polizeischutz verbrachte und hunderte Morddrohungen aus dem islamistischen und linksterroristischen Milieu erhielt, war unserer „Korrespondentin“ jedoch erwartungsgemäß keine Silbe wert. Selbstverständlich auch nicht die Tatsache, dass Fortuyn von einem Linksextremisten auf dem Weg vom Rundfunkstudio in Hilversum zum Auto mit fünf Schüssen in Brust und Kopf brutal hingerichtet wurde.
Weiter ging es mit einer volkspädagogischen Hanswurstiade, die dem „dummen Zuhörer“ verdeutlichen sollte, dass alle Vorbehalte gegenüber „Fremden“ und „Ausländern“ auf diffuse, abgründige, ja tierhafte Instinkte zurückzuführen seien – wir Tiere, wir Rassisten!
Der Inhalt des öffentlich-rechtlichen Gleichnisses ist schnell erzählt: In einem Zugabteil sitzen drei Passagiere, die sich „häuslich eingerichtet“ haben. Neue Passagiere treten ein – sie werden von den bereits Sitzenden als „Gruppe“ empfangen, die „ihr Territorium“ aggressiv sichert. Das Abteil (quasi mit Staat und Nation vergleichbar), belehrt uns der Sprecher salbungsvoll, wird automatisch von den sitzenden „Eingeborenen“ (Originalton!) verteidigt, „offene Feindseligkeit“ werde nur vermieden, weil die „Eingeborenen“ einem Regelsystem unterlägen, das sich „Höflichkeit“ nenne. Wer viel mit der Bahn fährt, wird wissen wie absurd, grotesk und wirklichkeitsfremd solche Verallgemeinerungen sind.
Diese alberne Kopfgeburt ist wahrscheinlich einem linken Soziologen (ist schon mal jemand aufgefallen, dass es rechte Soziologen aktuell gar nicht gibt?) entsprungen und zog sich wie ein roter (im doppeldeutigen Sinn) Faden durch die Sendung.
Auch die FPÖ wurde in gewohnter öffentlich-rechtlicher Manier „thematisert“. Anstatt Frau Ahrens, erprobte sich nun ein anderer „Experte“. Er ertränkte die wenigen harten Fakten über die Freiheitlichen in einem Meer von unkonkreten politisch-korrekten Worthülsen.
Auch hier mit Händen zu greifen: die Verachtung des „dummen, ungebildeten Rechtswählers“. Neben der routinierten Wählerschelte wusste Andreas Meyer-Feist über die FPÖ zu berichten, dass diese sich mit ihrer Kandidatin Barbara Rosenkranz bei der anstehenden Wahl des Staatsoberhauptes rund 20% der Stimmen zutraue, obwohl sie gegen den „Landesvater“ Heinz Fischer (SPÖ) chancenlos sei. Dann kamen wieder die üblichen Fakten: zehn Kinder, die tatsächlich „germanische“ Namen trügen (anstatt Kevin, Justin oder Ali zu heißen, wie man es von einem Staatsbürger wohl erwarten könne). Für den „Journalisten“ Meyer-Feist war in Folge bereits das kritische Reflektieren über die „Anzahl der Asylbewerber“, über den Bau von Minaretten und über steigende Kriminalität problematisch, er bedauerte inständig, dass sich die Parteipolitik in Österreich nicht mit anderen Themen beschäftige – „wichtigeren“ Themen, sollte der Hörer ergänzen. Welche das sein könnten, verriet er nicht. Die Wähler der FPÖ seien „Frustrierte, Rentner mit geringen Pensionen, Jugendliche mit wenig Berufsaufsichten“, die „das Programm der Partei nicht kennen würden“ und sie „aufgrund von Stimmungen“ wählten – jedoch unzufrieden seien, sobald die FPÖ nicht „ihre Versprechungen“ durchsetze. Passte nicht ganz zusammen, oder? Egal, mußte man als humoristischen Beitrag werten.
Ferner: Wer die FPÖ kennt, weiß dass sie durchaus in der Lage ist und war auch (natürlich: frustrierte!) Akademiker als Wähler und Funktionäre zu gewinnen. Nachdem der „Korrespondent“ aus Wien seine linken Soziologenvorurteile artig abgespult hatte, widmete er sich dem Land Kärnten, das einst Jörg Haider regierte, zuletzt mit einer Zustimmung von fast 50%. Hier „bröckele der Putz von den Wänden“, da es aufgrund der Regierung des Freiheitlichen (einst FPÖ, dann BZÖ) finanziell ruiniert und verschuldet sei. Man wusste nicht recht, ob diese Ausführungen dumm oder dreist oder beides zugleich waren. Es ist schon aberwitzig sich beim Thema Verschuldung und Ruin der Staatsfinanzen gerade das kleine Kärnten vorzunehmen, wo man vor der Haustüre die zerrütteten Schuldenstaaten Hessen, NRW, Berlin oder Rheinland-Pfalz liegen hat, regiert von „lupenreinen“ Demokraten der etablierten Versagerparteien. Letzteres Bundesland erhöhte 2009 trotz einem deutlichen Plus bei den Steuereinnahmen die Kreditaufnahme!
Als Klassiker der Erklärungsmuster für den Aufstieg der FPÖ bot der „Journalist“ dann noch die „mangelnde Aufarbeitung der NS-Zeit“ an. Dass im Zusammenhang mit der Regierung des SPÖ-Kanzlers Bruno Kreisky (1911-1990) die meisten NSDAP-Mitglieder politisch wieder tätig wurden, unterschlug er. Zudem zeigte sich der „Experte“ hinsichtlich des von der FPÖ vertreten „Deutschtums“ als völlig ahnungslos. Dieses ist keine „Wahlkampfmasche“ der FPÖ, sondern wird im sogenannten „Dritten Lager“ gepflegt (dem die FPÖ als EINE Organisation von anderen zugehört), das als traditionelle politische Größe in Österreich seine Wurzeln in der Revolution von 1848 hat. Bereits das Parlament in der Frankfurter Paulskirche (1848) setzte sich für die Schaffung eines deutschen demokratischen Nationalstaats ein, viele bevorzugten die großdeutsche Lösung: die Vereinigung der deutschen Fürstentümer unter Führung Preußens mit dem deutschen Teil der Donau- oder Doppelmonarchie Österreich-Ungarn.




